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China – Shanghai

China – Shanghai

Sarah Tschann

Esskultur in China

Hot Pot in Shanghai China

Als wir in Hongkong ankamen, war ich schon sehr gespannt auf das Essen. Ich mag Sushi, Dumplings und andere chinesische Gerichte wirklich gerne, und ich stellte mir vor, dass es perfekt wäre, das jeden Tag zu essen. Aber nach ein paar Tagen mit gebratenen Nudeln, Dumplings und anderen fettigen Snacks von der Strasse wurde ich langsam ein wenig müde davon. Ich merkte, dass ich etwas Einfaches wie einen Salat oder frisches Gemüse vermisste. In Europa ist es ganz normal, so etwas überall zu finden – hier in China ist das nicht der Fall. Selbst im Supermarkt konnte ich kaum Salat entdecken.

 

Auch die Supermärkte hier unterscheiden sich stark von dem, was ich von zu Hause kenne. In Österreich oder der Schweiz gibt es meist mehrere grosse Supermärkte nebeneinander. In Shanghai sehe ich vor allem kleinere Läden, die nur das Nötigste anbieten. Drinnen gibt es riesige Fleisch- und Fischtheken, manchmal sogar mit lebenden Meeresfrüchten. Was man hingegen kaum findet, sind Milchprodukte. Käse, Aufstriche oder Butter sind wirklich schwer zu bekommen.

 

Ich denke, einer der Hauptgründe dafür ist, dass viele Menschen hier gar nicht so oft zu Hause kochen. Die Wohnungen sind meist klein, und es ist auch sehr günstig und praktisch, auswärts zu essen oder Essen zu bestellen. Als ich das erste Mal mit Alipay Essen bestellt habe, war ich wirklich überrascht, wie schnell und einfach das funktioniert. In meinem kleinen Dorf in Österreich war es unmöglich, Essen zu bestellen – und wenn doch, dann nur mit sehr hohen Lieferkosten. Hier kann man alles bestellen: traditionelles Essen, Fast Food, Süssigkeiten, sogar Supermarktartikel – und oft ist die Lieferung kostenlos. Es gibt auch viele Sonderangebote, zum Beispiel zwei Pizzen für 100 Yuan (etwa 10 Euro). Nach der Bestellung kann man genau sehen, wo sich der Fahrer befindet, ob das Essen fertig ist und wann es ankommt. Manchmal gibt es auch Schliessfächer wie bei der Post, in denen man mit einer Nummer sein Essen aus einer Box abholen kann.

 

Der erste Restaurantbesuch war für mich auch etwas stressig. Ich hatte Sorge, weil viele Menschen hier kein Englisch sprechen, und ich hatte Respekt davor, Reis oder Nudeln mit Stäbchen zu essen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es gar nicht so schwer ist. In vielen Restaurants scannt man einfach einen QR-Code, bestellt und bezahlt direkt über das Handy. Das bedeutet, man muss gar nicht mit dem Kellner sprechen. Gabeln und Messer findet man hier kaum, also muss man lernen, mit Stäbchen zu essen – aber nach ein paar Tagen hat das bei mir gut funktioniert. Was mir besonders gefällt, ist die Art des gemeinsamen Essens. Zu Hause bekommt jeder seinen eigenen Teller. Hier bestellt man viele kleine Gerichte und stellt sie in die Mitte des Tisches, um sie zu teilen. Das macht das Essen viel geselliger. Ein Highlight für mich ist die Hotpot-Kultur. Alle sitzen um einen grossen Suppentopf in der Mitte, in den man Gemüse, Pilze oder Fleisch gibt. Es erinnert mich ein bisschen an Fondue – nur dass man es hier das ganze Jahr über isst.

 

Natürlich gab es auch Dinge, die mich überrascht haben. Zum Beispiel ist es hier ganz normal, beim Essen zu schlürfen oder sogar zu rülpsen. Beim ersten Mal war ich schockiert, aber später habe ich gelernt, dass das sogar ein Zeichen dafür sein kann, dass das Essen gut war. Schwieriger für mich ist die Gewohnheit, auf die Strasse zu spucken. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen.

Insgesamt sehe ich jetzt, wie unterschiedlich Esskultur sein kann. In Österreich und der Schweiz sind Mahlzeiten eher privat, strukturiert und individuell: Frühstück, Mittagessen, Abendessen. In Shanghai ist Essen spontaner, gemeinschaftlicher und sehr eng mit dem Alltag verbunden. Es geht weniger um „meinen Teller“ und mehr um das Miteinander.

 

Jetzt, nach einem Monat, habe ich mich an vieles gewöhnt und geniesse es. Die günstigen Preise, die Vielfalt und die einfache Art, Essen zu bestellen, werde ich wirklich vermissen, wenn ich wieder zu Hause bin. Aber ich freue mich auch schon auf Kässpätzle, Bergkäse und ein Wiener Schnitzel.

Hot Pot in Shanghai China