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Kanada - Manitoba

Kanada - Manitoba

Patrik Wirtensohn

Alkohol und Gesellschaft in Kanada

Baseballspiel der Kanadischen Universität

Als ich vor etwa einem Monat in Winnipeg, Manitoba, angekommen bin, war mir natürlich bewusst, dass sich viele Aspekte des Alltagslebens von denen in Österreich unterscheiden würden. Doch ich hatte nicht erwartet, dass der Umgang mit Alkohol sich so deutlich von meinem Heimatland unterscheiden würde. Bereits in den ersten Tagen fiel mir auf, dass Bier und Wein nicht einfach im Supermarktregal stehen, wie in Österreich, sondern nur in speziellen Alkoholgeschäften erhältlich sind. Diese Tatsache, die in Kanada selbstverständlich ist, erschien mir zunächst fast seltsam.

 

In Österreich ist Alkohol ein alltäglicher Begleiter. Im Supermarkt, zwischen Milch und Brot, findet man Bier und Wein in allen Preisklassen. In Restaurants oder Heurigen gilt ein Glas Wein als guter Ton, und niemand wundert sich, wenn Studierende an einem warmen Sommerabend im Park ein Bier trinken. Alkohol ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt – ob beim Oktoberfest, bei Dorffesten, beim Après-Ski oder beim gemütlichen Abendessen mit Freunden. Er gehört zum sozialen Miteinander und ist oft ein Symbol für Gemeinschaft.

 

In Winnipeg habe ich schnell gelernt, dass es hier anders ist. Die strengeren Gesetze sind sofort spürbar: In Manitoba liegt das Mindestalter für den Alkoholkauf bei 18 Jahren, in anderen Provinzen sogar bei 19. Alkohol darf nicht in der Öffentlichkeit konsumiert werden – ein Bier am Flussufer oder ein Picknick mit Wein im Park, wie es in Vorarlberg im Sommer üblich ist, wäre hier undenkbar. Zudem ist Alkohol deutlich teurer als in Österreich. Spontane Partys mit mehreren Bierkisten, wie ich sie von zu Hause kenne, sind daher weniger verbreitet.

 

Auch die Atmosphäre auf Partys und in Bars ist anders. Natürlich feiern und trinken die Menschen auch in Kanada, aber der Konsum wirkt kontrollierter. Es gibt oft Regeln, wie viele Getränke man kaufen darf, und die Polizei ist sehr präsent, wenn es um Alkohol auf der Strasse geht. Während es in Österreich fast normal ist, am Wochenende stark betrunkene Menschen auf der Strasse zu sehen, ist öffentliche Trunkenheit in Winnipeg stark stigmatisiert.

 

Anfangs fand ich diese Zurückhaltung etwas befremdlich. In Österreich habe ich gelernt, dass Alkohol ein natürlicher Teil der Kultur ist. Erst während meines Aufenthalts hier wurde mir bewusst, wie sehr wir den Konsum in meinem Heimatland normalisiert haben. Es fällt uns schwer, uns ein Volksfest ohne Bier oder ein Abendessen ohne Wein vorzustellen. In Kanada hingegen habe ich erlebt, dass soziales Miteinander auch ohne Alkohol gut funktioniert. Wenn ich mich mit kanadischen Studierenden treffe, essen wir oft gemeinsam, treiben Sport oder unterhalten uns einfach. Alkohol ist höchstens eine Nebensache.

 

Diese Unterschiede haben mich zum Nachdenken gebracht. Sie zeigen, dass jede Kultur ihre eigenen Werte hat. In Kanada stehen beim Thema Alkohol Verantwortung, Sicherheit, Kontrolle und Rücksicht auf die Gemeinschaft im Vordergrund. In Österreich hingegen verbinden wir Alkohol stärker mit Geselligkeit, Tradition und Lebensfreude. Beide Perspektiven haben ihre Stärken, aber auch ihre Schattenseiten. Während in Kanada vielleicht weniger exzessiv gefeiert wird, ist der Zugang zu Alkohol in Österreich so einfach, dass problematischer Konsum schnell verharmlost werden kann.

 

Was ich persönlich aus dieser Erfahrung mitnehme, ist die Erkenntnis, dass soziales Miteinander nicht zwangsläufig mit Alkohol verbunden sein muss. Ich habe hier viele Abende einfach im Kreis von Freunden verbracht, Spiele gespielt oder Sportveranstaltungen besucht – ganz ohne dass Alkohol eine grosse Rolle gespielt hätte. Gleichzeitig hat mir der Vergleich gezeigt, wie sehr ich es gewohnt bin, dass Alkohol zu Hause fast immer verfügbar und akzeptiert ist. Erst im Ausland wurde mir wirklich bewusst, wie selbstverständlich ich das nehme.

 

Mein Aufenthalt in Winnipeg hat also nicht nur meinen Blick auf eine neue Kultur erweitert, sondern mir auch geholfen, meine eigene Kultur zu hinterfragen. Vielleicht werde ich in Zukunft bewusster darauf achten, wann und warum ich Alkohol trinke. Denn was ich hier gelernt habe, ist, dass Gemeinschaft und gute Gespräche nicht von einem Glas in der Hand abhängen.

Baseballspiel der Kanadischen Universität